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| Hiltrud Schäfer. | .Sigrid Schraube | |
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| Hiltrud Schäfer und Sigrid Schraube
in der art-box VIII Die art-box zeigt neue Arbeiten der Künstlerinnen Hiltrud Schäfer (Osnabrück) und Sigrid Schraube (Schöneck). Beide widmen sich, getreu dem dialogischen Prinzip der art-box, einem gemeinsamen Thema: der künstlerischen Auseinandersetzung mit Zeichen- und Mitteilungssystemen in einer speziellen Raumsituation. Hiltrud Schäfer erarbeitet in ihrer aktuellen Arbeit mit dem Mittel der Duplizität formaler Ereignisse eine künstlerische Formel für Rhythmus und Ordnung und gewährt dem Betrachter so einen neuen Blick auf die sich jetzt zum achten Mal gänzlich veränderte Raumsituation der art-box. Die Künstlerin inszeniert mit rund 6000 Einzelobjekten den linken Abschnitt der artbox. Einzelne Hanfschnüre wurden über Monate von der Künsilerin in etwa daumengroße Verknotungen gebracht und anschließend mit roter, blauer, gelber und weißer Farbe eingefärbt. Der Titel ihrer Arbeit lautet »Archipel der großen Minuskeln«, welcher in der wörtlichen Übersetzung »Inselgruppe der großen Kleinbuchstaben« hieße und damit nicht nur ein Paradoxon zwischen Groß- und Kleinbuchstaben beschriebe, sondern gleichzeitig eine formale Zustandsbeschreibung der gesamten Installation formuliert. So bezeichnet der Ausdruck Archipel im Unterschied zur Inselgruppe nicht allein die zusammen liegenden Inseln, sondern auch das zwischen den Inseln und Inselgruppen liegende Meeresgebiet. Eine ähnliche Rhythmisierung erscheint auch in der Anordnung des Schäferschen Zeichensystems: Passagen der dichten Anordnung stehen leeren Wandflächen gegenüber. Farblich gemischte Zuordnungen wechseln einander mit beispielsweise nur rot gefärbten Gruppen derselben Formfamilie ab. In der Gesamtsicht aber erscheint ein einerseits festgelegtes und gleichzeitig offenes, organisch gewachsenes Ordnungssystem. Eine weitere, überraschend ästhetische Ebene bildet der kalkulierte Umgang mit Licht und Schatten. Der Schattenwurf einzelner Objekte lässt in seiner Gesamtheit eine zweite Wahrnehmungsebene entstehen. Als Geflecht schiebt sich dieser »Schattenteppich« unter die Objekte aus Hanfschnur und lässt eine weitere Beobachtungsebene aufscheinen. Sigrid Schraube befasst sich auf der rechten Seite der art-box, der Installation von Hiltrud Schäfer gegenüberliegend, mit dem Bezug zwischen Bildender Kunst und Literatur und der Schrift als Mitteilungs- und Zeichensystem. Die Künstlerin wählte für ihre Bodeninstallation »Vonitos« zwei sehr unterschiedliche Materialien: Braunkohle in Form von Union-Holzkohlebriketts und maschinell gefertigtes, sehr dünnes Transparentpapier. 154 Sonette von William Shakespeare schrieb Sigrid Schraube innerhalb eines fast meditativen Prozesses auf genässtes Pergament und umwickelte damit jede einzelne Braunkohle. In einem dem Bleisatz ähnlichen Flattersatz installiert die Künstlerin ihre einzelnen Objekte vor Ort zu einem großen Tableau. Eine Aufsicht auf die insgesamt zehn Reihungen lässt keine kontinuierliche, leselogische Abfolge der einzelnen Sonette zu, sondern zergliedert die Anordnung des geschriebenen Wortes in ein Prinzip, das neuen, ausschließlich ästhetischen Entscheidungen folgt. Hier stößt eine industrielle, für den schnellen Gebrauch bestimmte Massenware auf zeitlose Literatur. Shakespeares Sonette handeln von brennender Liebe, vergehender Schönheit, dem unaufhaltsamen Fluss der Zeit, dem Tod - aber auch vom Bewahren der Werte und Gefühle im Wort. Inhaltliche und formale Spannungsfelder der Präsentation erzeugen unterschiedliche Assoziationsketten, denen Sigrid Schraube in ihrer Präsentation einen weiten Handlungsraum zugesteht. Christel Schulte |