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Andre Lindhorst
Karsten Michaelis: Künstlerportraits 



Menschen, die in Osnabrück in unserer Zeit künstlerisch tätig sind in möglichst ausdrucksstarken Bildern festzuhalten, das ist das Thema des Fotografen Karsten Michaelis.

Die Fotografien von Karsten Michaelis beziehen sich sowohl auf regionale, als auch international renommierte Künstler, die in den vergangenen Jahren in Osnabrück gastiert und hier ausgestellt haben.

Allzu viel brauche ich über Karsten Michaelis nicht zu sagen. Er ist waschechter Osnabrücker, 39 Jahre jung und seit 1999 freischaffend als Fotograf tätig. In der Osnabrücker Kunst- und Kulturszene ist er inzwischen ein bekanntes Gesicht.

Karsten Michaelis fotografiert insbesondere diejenigen Künstler, die in der Osnabrücker Kunsthalle Dominikanerkirche oder in der Stadtgalerie ausstellen. Inzwischen ist ein Fundus von ca. 130 Künstlerportraits, darunter auch Musiker und Darstellende Künstler entstanden.

Viele der Künstlerportraits von Karsten Michaelis sind publiziert worden – als Abbildungen in Kunstkatalogen beispielsweise. Von den Künstlern und der Stadt wurden die Fotos benötigt zu Marketing- und Repräsentationszwecken oder auch zu Dokumentationszwecken.

Was Karsten Michaelis Portraitkunst für mich ausmacht, ist zum Einem der Aspekt, dass er die zu Fotografierenden nicht nur einfach vor die Kamera stellt und abbildet, sondern dass er seine Kamera als kreatives Werkzeug benutzt.

Es sind eine ganze Reihe von Dingen, die dazu führen, dass Karsten Michaelis immer wieder überzeugende künstlerische Ergebnisse abliefert: Die Komposition etwa oder die Ausleuchtung mit ihrer zum Teil äußerst spannungsvollen Hell-Dunkel-Dramatik. Dann sind es die wechselnden Orte der Aufnahmen, die Spannung erzeugen und die häufig einen Bezug zu Osnabrück herstellen – Werner Büttner im Foyer des Remarque-Hotels oder Stefan Roloff vor dem historisch-perspektivisch gestalteten Chorgitter im Osnabrücker Dom, beispielsweise.

Der Moment, der Ausschnitt, die Impression – all das mag eine Rolle spielen bei der Fotokunst von Karsten Michaelis. Aber für ganz wesentlich halte ich die Art und Weise, wie Karsten Michaelis die zu Fotografierenden auf das Bild einstimmt.

Ich bin selten dabei gewesen, wenn die Fotos entstehen, aber ich glaube, dass das Geheimnis der Ausdruckskraft dieser Portraits in einem offenen Prozess liegt, der sich zwischen den Fotografen und dem Model abspielt.

Bei all seinen Portraits ist es nicht zu übersehen, dass Karsten Michaelis einen Draht hat zu den Menschen, die er fotografiert, dass er in der äußerst knappen Zeit, die oft für diese Fotoprozesse bleibt, Nähe aufgebaut und Vertrauen gewonnen hat. 
Jedes Bild erhält seine Qualität besonders aus dieser kleinen zwischenmenschlichen Performance und aus einer oftmals halb konzeptionellen halb improvisatorischen Situation heraus.

Über Karsten Michaelis Portraits erhalten wir Betrachter einen kleinen Zutritt in ein Leben, in ein Bild vom Menschen, seinen Lebenszielen und Träumen, seiner Arbeitssituation und seinen Lebensräumen.

Einem guten Portrait sollte es gelingen, inneren Zuständen Ausdruck zu verleihen, dieser Aspekt kommt in seinen Bildern besonders zur Geltung. Und jeder von uns kennt den emotionalen Effekt der Annäherung an den Menschen über Bilder, denen wir doch niemals wirklich begegnet, aber den gute Fotos in uns auszulösen vermögen. Auch diesen Effekt finden wir in den Fotos von Karsten Michaelis – über Gesten, die Mimik, die Haltung werden Momente festgehalten.

Der Betrachter kann die Portraits absuchen nach dem Stand der Abgebildeten im Leben – spiegelt eine Haltung Eitelkeit? Zeigt eine Mimik Anspannungen oder ein Mund bereits Resignation? In jeder der ausdrucksstarken, einfühlsamen Portraits von Karsten Michaelis offenbaren Künstler ihre Persönlichkeit. 

Und wir erfahren – wenn wir genau beobachten – inspirierende und aufschlussreiche Einzelheiten, die uns Bedeutungszusammenhänge erschließen.

Es ist eine ganz wesentliche Kunst von Karsten Michaelis, dass seine Portraits dem Betrachter Raum für Interpretationen bietet. Nicht zuletzt sind es Bilder unserer Zeit und unserer Osnabrücker Kultur, die wir hier – gefasst in Fotografie – sehen. Es sind auch Zeitzeugnisse, die über den Tag hinausreichen werden. 

Gerade auch aus diesem Aspekt heraus, empfinde ich die kontinuierliche Dokumentation der kulturellen hier in Osnabrück stattfindenden Prozesse – wie sie Karsten Michaelis betreibt – als Bedeutungsvoll.

Andre Lindhorst, Leiter der Kunsthalle Dominikanerkirche 
Osnabrück, Nov. 2006 
 


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una iniziativa della Associazione Culturale Chronos a ROMA
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