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Osnabrück, 16.06.2000

Königsweg über Teerpappe 
Von Stefan Lüddemann



Der Königsweg führt in der Kunsthalle über Teerpappe. Die bleigrauen Bahnen führen nämlich zu den Installationen der Osnabrücker Künstlerinnen Elfi Plashues und Hiltrud Schäfer, die ihre Werke rund um den alten Kreuzgang aufgereiht haben.

Wie ihr Leipziger Künstlerkollege Kaeseberg, der seine Objekte im Kirchenschiff zeigt, haben auch Plashues und Schäfer ihre Arbeiten über zwei Jahre eigens für die Kunsthalle angefertigt. Das Ergebnis ist ein dichter Dialog zwischen den Materialien Ton und Papier, eine enge Verzahnung der Themen und Motive. Das kann nicht verwundern. Der lange gemeinsame Arbeitsprozess hat die Künstlerinnen spürbar zueinander finden lassen. Der Verzicht auf Beschilderungen steht für den Anspruch, in der Kunsthalle ein echtes Gemeinschaftswerk verwirklicht zu haben.
Zudem ergeben sich Verbindungslinien zu den Werken Kaesebergs. Denn auch Plashues und Schäfer greifen zu dem fast modisch zu nennenden Formprinzip des Archivs. Hiltrud Schäfer versammelt in Bleikästen zarte Hüllen von Menschenleibern, fragile Relikte unzähliger Häutungen. Elfi Plashues stellt dem eine Sammlung abgelegter Dinge gegenüber. Irgendwie ahnt es der Betrachter: Es geht um die Vergänglichkeit des Lebens, der künstlerisch mit Symbolen von archaischem Leben beigekommen werden soll. Doch die Wucht tragischer Lebenssicht sieht sich allseits in freundlicher Formgestaltung abgefedert.

So geht es weiter. Den schweren Keramikleibern (Plashues) stehen hauchzarte Körpergewebe (Schäfer) gegenüber. Und rund um den Kreuzgang haben die Künstlerinnen auf Podesten abwechselnd stilisierte Hausformen und fragile Köpfe in Drahtwürfeln aufgestellt. Die Abfolge der einzelnen Objekte ist präzis durchgeformt. Doch die Strenge des Konzeptes zeigt eine Überlast von Kopfarbeit. Spätestens im Katalog wird jede Leichtigkeit mit gewichtigen Klassikerzitaten von Shakespeare bis Fried ausgetrieben. Ginge es um Bühnenkunst, man käme um den Begriff „Thesentheater" nicht ganz herum.

Elfi Plashues und Hiltrud Schäfer: Ton - Papier - Papier - Ton.Eröffnung: Sonntag, 18. Juni, 20 Uhr. Bis 6. August. Di-Fr, 11-18 Uhr, Sa, So, 10-18 Uhr. Katalog 25 DM. 

 


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