|
Es gibt „Rei“ in der Tube und Brot in der Flasche. Warum nicht auch Kunst in der Tüte? Bitte sehr, bitte gleich: Zur „Arte Regionale“ eröffnen Beate Lechler und Marion Tischler ihren Laden „KunstKomet“ in der Osnabrücker Innenstadt.
Die regionale Kunstschau bekommt mit dem eigenwilligen Projekt eine freche Note – und einen Pfiff, der die Sache erfrischend abhebt vom Einerlei bemühter Kulturarbeit. „Der Besucher soll bei uns unbefangen stöbern können“, sagt Beate Lechler. Und natürlich möglichst etwas kaufen.
Doch schlichte Kunstpromotion ist dies nicht, auch wenn sich eine Künstlerin (Tischler) mit einer waschechten Unternehmensberaterin (Lechler) zusammen getan hat. Die temporäre Boutique am ehrwürdigen Osnabrücker Markt geht auch selbst als Kunstaktion glatt mit durch. Nicht zu vergessen die kritische Note: Mit „KunstKomet“ liefert das Duo Tischer/Lechler auch eine Persiflage auf Kunstmarkt und Konsumgesellschaft. Ob der Name nur zufällig an eine große Supermarkt-Kette erinnert?
Flotter Handel mit Kunst: Da rattert bei Kunstexperten die Verweismaschine. Wie war das mit Claes Oldenburgs „Store“, in dem der Pop Art-Künstler Anfang der Sechziger textile Nachbildungen von Konsumartikeln feilbot? Oder mit der „Volksboutique“, in der Christine Hill 1997 zur Documenta X Kunst als Dienstleistung zelebrierte? Nicht zu vergessen die vielen Kunstkaufhäuser, mit denen Künstler in Großstädten dem etablierten Galeriebetrieb ein Schnippchen schlagen.
Denn so billig kommt man selten an Kunst. Bei unter fünf Euro soll in Osnabrück der Einstiegspreis liegen. Wenn das nicht den Schnäppchen-Aktionen der echten Supermärkte alle Ehre macht? Und dann die schicken Darreichungsformen: Kunst aus dem Drehständer, Kunst als Designteil, Kunst als Täschen im Goldbärendesign oder als Aufsteller für den Nachttisch. Oder wie wäre es mit der „Kunsttüte“ für 25 Euro? Schleuderpreise soll es nicht geben, versichern Lechler und Tischler. Doch viel verdienen wollen sie auch nicht. „Für uns bleibt wohl ein Abendessen übrig“, meinen sie. Dennoch könnte der „KunstKomet“ eine Dauereinrichtung werden.
Osnabrück, Markt 22/23: KunstKomet. 21. Juni bis 24. August. Mi, Do, 15-19 Uhr, Fr, 13-19 Uhr, Sa, 10-16 Uhr.
|