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Osnabrück - Melle, 06.09.2003

Buchstabe für Buchstabe Gedichte begriffen
Melle (dr)



„Der Schwarzen Kunst ein hölzern Ständchen“ betitelt ist die neueste Ausstellung in der Alten Posthalterei, die sich auf die Spuren der Jünger Gutenbergs und der alten Buchdruckkunst setzt. Das „Ständchen“ aus Holzschnitten bringt der Osnabrücker Künstler Wilfried Bohne dem alten Handwerk, zu dem er selbst als ehemaliger Schriftsetzer höchste Affinität besitzt.

Heute ergießt sich typographische Massenware aus dem Computer und die schönsten Schriftformen sind mühelos per Mausklick aufs Papier zu bringen. Früher musste Buchstabe für Buchstabe, ob groß oder klein, sorgsam samt Zwischenräumen aus dem Setzerkasten zusammengesucht werden, und nicht jeder Buchstabe war in beliebiger Anzahl verfügbar. Die „Schwarze Kunst“ ist heute keine mehr, aber wenn Kunstbücher und Drucke nach alter Manier heute noch entstehen, wissen Liebhaber den Wert solcher Werke umso höher zu schätzen. Auch hiervon ist eine Auswahl in Vitrinen zu sehen.

Was Wilfried Bohne bis zum 28. September in der Alten Posthalterei zeigt, sind überwiegend Gedichte bekannter und auch unbekannter Autoren, einige auch von ihm selbst, die er gestaltet mit Buchstaben und Figuren, die weitere Zeichen setzen. Buchstabe für Buchstabe begreift er sowohl wortwörtlich wie auch im übertragenen Sinn die Gedichte. „Gerade weil es eine so zeitraubende Arbeit ist, muss es das Gedicht auch wert sein“, erklärte er zu seinen Auswahlkriterien. Eine Woche benötigt er von der ersten geistigen Auseinandersetzung mit dem Gedicht über das Umsetzen des Inhaltes in Zeichen und Buchstaben bis zum abschließenden Druck.

Seit 15 Jahren ist Wilfried Bohne Mitglied der „Typomania“, einer Vereinigung von Schriftkünstlern, die sich ihre Themen von Ausschwitz über Deutsche Justiz und Globalisierung selbst stellen. Die meisten Blätter von Wilfired Bohne, erläuterte die frühere Kunstvereinsvorsitzende Maria Otte in ihrer Einführung, sind literarischer Art und stellen eine Beziehung zwischen Text und Bild her. Das Gedicht ist die literarische Form, die dem Künstler am meisten entgegenkommt. „Da muss jedes Wort sitzen, genauso wie bei seinen Holzschnitten“.

Etwas Zeit zum Lesen sollten die Besucher der Ausstellung mitbringen - da ist Tiefsinniges neben Humoristischen zu entziffern. Der stellvertretende Bürgermeister Karl-Heinz Finkemeyer freute sich bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung über den wieder einmal ganz anderen Zugang zur Kunst und dankte dafür dem Verein zur Förderung von Kunst und Kultur, der dafür verantwortlich zeichnete. Die Vorsitzende Barbara Manke lud zu einem thematisch auf der Ausstellung basierenden Werkstattgespräch „Zeichen setzen“ mit dem Künstler und dem Schriftsteller Alfred Cordes am 21. September um 11.30 Uhr in der Stadtbibliothek ein.
 
 


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