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Kinder wissen vom allsiebenjährlichen Osnabrücker "Schnatgang" vor allem eins: Es setzt was. Die traditionelle Ohrfeige beim Umzug der Laischafter ist denn auch ein Motiv der Doppelschau "Schnatgang", in der die Galerie Clasing & Langer Arbeiten des Osnabrücker Schriftsetzers Wilfried Bohne und des Schriftstellers und Grafikers Christoph Meckel vereint.
Bei Meckel geistert die dräuende Hand vor einem bleichen Kopf, dem die Lippen vor lauter Schreck zum Blatt vorm Mund geworden sind. Bohne zeigt einen scheeläugigen Charakter mit Fünf-Finger-Abdruck auf der Wange. Die rituelle Backpfeife zeigt Wirkung: Der arme Kerl hat sich nicht nur die laischaftliche Gemarkung eingeprägt, sondern auch schmerzlich viel über gesellschaftliche Formen gelernt. Er ist sprichwörtlich zur "Etikette" erstarrt; denn aus einem Schreibheft-Etikett besteht sein collagierter Leib.
Die virtuosen Sprach- und Wortspiele der sechs Bilderpaare lassen keinen Zweifel: Hier haben zwei Kreative einen ebenso fröhlichen wie produktiven Tag miteinander verbracht. Bohne bestätigt das: Bei einem Besuch in Meckels Freiburger Domizil haben sie sich vis-à-vis an einen Tisch gesetzt und vom Morgen bis zum Abend je sechs Collagen gefertigt. Am Ende waren beide frappiert: Obwohl jeder für sich gearbeitet hatte, erwiesen sich die Bilder in Komposition und Motivwahl unverkennbar als Verwandte. Und obwohl das nicht beabsichtig war, hatten sie ein gemeinsames Thema: den Schnatgang.
Mal taucht das Wort auf der Adresse eines eingearbeiteten Briefs auf, dann tritt der "Waldschnat" persönlich in Erscheinung. Weil der Begriff zudem ein alter Terminus für Grenzpfad ist, hat er auch übergeordnete Gültigkeit: So wie die beiden Künstler in dem gemeinsamen Projekt ihre aneinander grenzenden Werk-Gebiete abgeschritten haben, so erweisen sich die Collagen auch formal als Grenzgängerei - balancieren sie doch zwischen allen Gattungen und verbinden Zeichnung mit Dichtkunst.
Weil die Arbeiten immer im Wechsel gehängt sind, kann der Betrachter nun die zahllosen Grenzüberschreitungen verfolgen. Nach Bohnes Gedicht über "die schwebende Feder vielleicht", segeln bei Meckel tatsächlich sanfte Federn übers Bild. Eine besonders zarte, meint man, ist schon unten angekommen. Die aber erweist sich als der federleichte Namenszug des Künstlers.
Wer mehr von dem auch als Buchautor ("Suchbild. Über meinen Vater") bekannten Christoph Meckel sehen möchte, hat derzeit in der Kinder- und Jugendbibliothek Gelegenheit dazu. Im Frühjahr folgen außerdem Meckel-Ausstellungen zur Erklärung der Menschenrechte und zu den Kinderrechten.
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