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Osnabrück, 22.12.2005 

Gestalten, die zum Himmel streben 
Von Tom Bullmann 



Menschen betrachten Bilder, lassen ihrer Fantasie freien Lauf, kommunizieren: "MenschenBilder" ist der Titel einer Ausstellung im Foyer des Diakonie-Wohnstifts am Westerberg.

Die Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer setzt sich hier auf beeindruckende Weise mit der menschlichen Gestalt, dem Körper, unserem Wesen auseinander. Dabei nutzt sie die Gegebenheiten des Raumes, um ihre Objekte aus handgeschöpftem Japanpapier effektvoll zu präsentieren und außergewöhnlich zur Geltung kommen zu lassen. 
Zum Beispiel gestaltete sie den geschwungenen Gang vom Foyer zur hauseigenen Kapelle, indem sie mittels Stecknadeln eine Vielzahl kleiner, weißer, filigraner Figuren an der Wand applizierte. Diese gen Himmel strebenden Gestalten wecken in direkter Nachbarschaft zum sakralen Raum der Besinnung augenblicklich Assoziationen: Handelt es sich um Seelen? Gerade die auf Grund des Schaffungsprozesses durchbrochene, nicht körperliche Struktur der Papierobjekte lässt solche Fragen aufkommen. An einem massiven Pfeiler in der Mitte des Foyers findet man die Figuren wieder - jetzt allerdings gedruckt auf einer zwölf Meter langen Fahne. Die Monoprint-Gestalten folgen einer unsichtbaren Linie in die Höhe. Eine Annährung an himmlische Gefilde mit all ihren "geistlichen" Implikationen wird vollzogen. 

"Hemd mit Torso" nennt die Künstlerin derweil ein Werk, in dem sie zwei malerisch behandelte und dadurch wie gefesselt wirkende Körperfragmente aus Pflanzenpapier an kreuzartig gestalteten Leinwänden anbrachte. Auch hier wird eher hinterfragt, weniger provoziert. Abstrakt und dadurch eine rein ästhetische Wirkung evozierend, gerieten die "Menschenbilder II", acht Tafelbilder, die wegen ihrer korrespondierenden Farbgebung beeindrucken. An der Decke befestigt, findet man an anderer Stelle des Foyers "alte Bekannte": 13 "Tanzhemden" erinnern an eine Installation, die Hiltrud Schäfer 1993 in der Kunsthalle Dominikanerkirche zeigte. Hier sind die wie liturgische Gewänder wirkenden Papierobjekte allerdings kleiner und zum Teil mit polyglotten Schriftzeichen versehen. Der Betrachter verspürt das Bedürfnis, seine eigene Interpretation, seine eigene universelle Botschaft zu formulieren. 

Die Ausstellung, mit der Hiltrud Schäfer die Themen "Veränderung" und "Neubeginn" aufgreift, bietet über die inhaltliche Beschäftigung mit den Kunstwerken hinaus die Möglichkeit zum Dialog - zum Beispiel zwischen der Künstlerin und den Bewohnern des Stifts, etwa, als die Exponate aufgehängt und installiert wurden sowie während der Vernissage, und jetzt sicherlich auch zwischen Bewohnern und Besuchern, die sich wegen der Kunst in die Wohnanlage begeben.

Diakonie-Wohnstift am Westerberg: "MenschenBilder". Objekte, Bilder und Installationen von Hiltrud Schäfer. Bis 18. Jan., ganztägig geöffnet. 
 


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