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Wittlager Kreisblatt | Bad Essen, 14.11.2006

Den ganz persönlichen Stil gefunden 
Von Christa Bechtel



Mit ihren Einzelarbeiten und insbesondere mit ihren Installationen gelingt es Hiltrud Schäfer, das Spannungsverhältnis zwischen Geburt und Leben, zwischen Vergehen und Tod künstlerisch und ästhetisch überzeugend in eine aktuelle Bildsprache umzusetzen.

Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises stellt die Osnabrücker Künstlerin unter dem Titel "Papiermusiken - Objekte und Installationen aus Papier" bis zum 7. Januar im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße aus. Die Ausstellung kann täglich, außer montags, von 15 bis 18 Uhr besucht werden. Erst war es die Ausstellung "Textil", dann "Hemden und Schalen" und nun "Papiermusiken", begrüßte Hiltrud von der Heyde, stellvertretende Vorsitzende des Kunst- und Museumskreises, Hiltrud Schäfer und etliche Gäste zur Vernissage im Schafstall. Anfangs sei es noch ein ganz anderer Stil gewesen. "Doch im Laufe der Jahre hat sie ihren eigenen gefunden", so Hiltrud von der Heyde. 
Mit fünf "Notizen" näherte sich Professor Dirk Manzke aus Osnabrück dem Schaffen von Hiltrud Schäfer, um in die Ausstellung einzuführen. "Ihr stoffliches Interesse erweitert sich seit geraumer Zeit um das Selbstschöpfen des Papiers und dessen Ausdruckswelten", erläuterte Manzke. Inzwischen erforsche sie im Papiernen nicht nur die Sphären des Stofflichen, sondern längst auch deren räumliche Möglichkeiten. Manzke: "Waren es anfänglich Arbeiten in der Fläche, so sind es inzwischen räumliche Werke und Leibassoziationen. Sie münden in Installationen, Hängungen, Gefäßen, Figurinen, Skulpturen." Ihre Papierschöpfungen würden sich mit Pflanzen, Holz, Metall vermischen und so das Spektrum des Stofflichen erweitern. Die Ausstellung erfülle sich in einem sich wandelnden Klang, der zwischen Raum, Material und Licht, je nach Standort und Bezugspunkt, zu verfeinernder Atmosphäre gerinne. 

"Wer sich dieser Ausstellung zuwendet, wird verstehen, dass ein trockenes Querschnittkonzept nicht die Intention von Hiltrud Schäfer in Bad Essen sein konnte. Es musste ein besinnendes, erweiterndes, öffnendes "Papiermusiken" sein. Möge die Welt auch diese Klänge in sich empfangen", wünschte sich Dirk Manzke. 

"Ich zeige hier den vollen Akkord", weist Hiltrud Schäfer auf ihre 20 Einzelarbeiten und Installationen der Ausstellung hin: "Von dem aus verschiedenen Pflanzen hergestellten handgeschöpften Papier bis zum Artefakt", so die Künstlerin, die mit ihren Arbeiten überraschende Impulse setzt. 

Beim Eintreten in den Schafstall trifft der Besucher auf Hiltrud Schäfers Wandinstallation "Augustaschacht", fünf Epitaphtafeln als Hommage an die Zwangsarbeiter im Dritten Reich - faszinierend und beklemmend zugleich. Auf dem Boden entdeckt man die Skulptur "Fisch" , ein "Kindersarg" aus Weide, Leinengarn, Kozo (Japanpapier). Aufsehen erregt ihre Installation aus diesem Jahr mit dem Titel "Zustandsarchiv". Vogelkäfige - offen und geschlossen - alte Flurkartenbehälter, Fundstücke, Papier und Wachs laden den Betrachter ein, seinen Assoziationen freien Lauf zu lassen... 

 


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