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Osnabrück, 03.11.2006

Spiegel der Lebensfreude 
Von Tom Bullmann



Der Kölner Karneval, festgehalten in Schwarzweiß-Bildern vom russischen Fotografen Lev Silber, sowie russische Landschaften und Personenporträts - das sind die Themen einer Ausstellung, die heute im Lutherhaus eröffnet wird. "Standbilder" ist der Titel der Fotoschau, die die Veranstaltungsreihe Kultur - Kultura begleitet.

"Diesen Mann mochte ich", sagt Silber in seiner sanften Art. Sein Blick ruht auf dem Porträt von Pankrati Ermilowitsch, einem 75-jährigen Russen, den Silber in den 90er Jahren in dessen Heimatdorf Pustin irgendwo in der Nähe von Nischni Nowgorod ablichtete. Die Sympathie, die der Fotograf für sein Modell hegte, überträgt sich auf das Porträt, verleiht ihm eine besondere menschliche Ausstrahlung: Unter dem Bart, der fast das ganze Gesicht des Alten verdeckt, scheint sich ein Lächeln zu verbergen. Auch die 59-jährige Irina lichtete Silber in einem besonderen Moment ab. Ihre geschlossenen Augen zeugen nicht von Müdigkeit, sondern von einer gewissen Art Konzentration. "Sie hatte mir gerade von ihrem Vater erzählt, der sich aus den Fängen des KGB befreien konnte", erinnert sich Lev Silber. Die Zufriedenheit über diese positive Wende im Leben der Frau liegt wie eine Aura über der Fotografie. 
Der Moment der Ruhe ist dem 1953 in Nischni Nowgorod geborenen Russen wichtig - nicht nur in der Fotografie, sondern auch in Bezug auf sein eigenes Leben. Der gelernte Mathematiker gab seinen Job als Programmierer auf, um einfache Arbeiten als Heizer, Funker, Lawinenschutztechniker oder Pferdepfleger anzunehmen, die ihn häufig in entlegene Gegenden führten, wo er sich der Kontemplation und der Schönheit der Natur widmen konnte. Was er dort erlebte, wollte er unbedingt dokumentieren und kaufte sich eine Kamera. Ob er damit den Nebel am Fluss Kerschenez in seiner Heimat oder die rivalisierenden Puschkin-Forscher Professor Juri M. Lotmann und Valentin Nepomnjaszczi ablichtete - die Ausstrahlung, das Licht ist für den Fotografen essenziell.

Eine vollkommen andere Wirkung erzielen die Fotos, die der Wahl-Osnabrücker 2004 während der Karnevalszeit in Köln anfertigte. Fröhliche Kinder im Konfetti-Regen, ausgelassene Erwachsene in Verkleidung oder auch das ganz allein auf einer Tribüne sitzende Mädchen mit dem gewinnenden Lachen: Diese Bilder sind der Spiegel purer Lebensfreude. Erst auf den zweiten Blick vermisst man die Farbe, die das bunte Karnevalstreiben in der Realität enorm prägt. Aber Lev Silber versteht die rheinische Lust am Feiern auch in Schwarzweiß-Aufnahmen zu vermitteln. 

Silbers fotografischer Blick verbindet die alte mit seiner neuen Heimat und symbolisiert damit das Anliegen der Veranstaltungsreihe Kultur - Kultura: Die unterschiedlichen Kulturen sollen sich begegnen, der Dialog zwischen Russland und Deutschen soll gefördert werden.
 
 


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