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Rund 70 Blätter und darüber ein Name: Wilfried Bohne. Aber sehen wir in der Stadtgalerie jetzt nicht eigentlich zwei Ausstellungen? Zwischen den Holzschnitten, die als Buchkunst richtig bezeichnet sind, und den abstrakten Malereien scheint es jedenfalls kaum eine Verbindung zu geben. Der Osnabrücker Künstler präsentiert sich als Mann mit den zwei Werkverläufen. Ob da auch zwei Herzen in ein und derselben Brust schlagen?
Die Präsentation mit Arbeiten aus den Jahren seit 1995 scheint diesen Gedanken nahezulegen. Denn Bohne stellt sich nicht nur - selten genug in Osnabrück - mit einem ausführlicheren Werküberblick vor, sondern wagt auch den heiklen Spagat zwischen der angewandten und der freien Kunst. Dem entspricht in der Praxis der Kontrast zwischen der an einen Text angelehnten Typografie und Bildlichkeit und einer freien Malerei, die sich ihre Themen selbst setzt und sich dafür auch ihren ganz eigenen Rhythmus sucht. Um es gleich zu sagen: Nicht immer hat Bohne diesen Balanceakt voll im künstlerischen Griff.
Dabei zeigt sich schnell, dass Bohne vor allem als Buchkünstler zu sehen ist. Seine Holzschnitte entfalten ihre ganze Qualität vor allem dann, wenn - etwa für ein Gedicht von Ernst Jandl - Text, Typografie und Bildlichkeit so sensibel zueinander gefügt werden, dass sie die Tür zu einem vertieften Verständnis des Textes eröffnen. In Vitrinen sind zudem Beispiele für Bohnes Bucheditionen ausgestellt - ein wertvoller Einblick in eine ansonsten viel zu wenig beachtete Szene der Gestaltungskunst.
In der freien Malerei sucht Bohne spürbar eine andere, ergänzende Dimension seiner Arbeit, ja er scheint das Korsett von Grafik und Schriftgestaltung geradezu abwerfen zu wollen. Doch dieser Ausflug in die Freiheit führt zu widerstreitenden Ergebnissen. Neben zauberhaft leichten abstrakten Formgebilden stehen Bildfindungen, denen die innere Mitte spürbar fehlt. Für die einheitliche Linie ist dafür auf andere Weise gesorgt - nämlich durch einen von Dieter Krüger gekonnt eingerichteten Katalog.
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