|
Von wegen Scalalein! Wer Augen im Kopf hat, dem muss klar sein: Osnabrücks Theater ist eigentlich ein Modetempel. Zumindest dann, wenn Modeschöpferin Patricia Mersinger und ihre Models die Treppenstufen zum Schauspielhaus gerade mal wieder für eine Dreiviertelstunde in einen heißen Catwalk verwandeln. Wie bei der Kulturnacht am Samstag.
Was Mersinger am Tag nach ihrer großen Modenschau-Premiere empfindet, ist neben, wie sie sagt, "schweren Beinen, die sich anfühlen, als wäre ich einen Marathon gelaufen", vor allem große Erleichterung. Im Beruf ist Patricia Mersinger, Leiterin des Referats für Stadtentwicklung in Osnabrück. Ihr Privatleben wird jedoch seit sieben Jahren von ihrer Leidenschaft zur Mode bestimmt. Wie sich aber bei der Kulturnacht zeigte, lässt sich beides -Beruf und Privatleben - nicht unbedingt immer trennen. Zum Glück: Zwar war es nicht Osnabrück, aber dennoch ein anderes Weltstädtchen, das Mersinger zum Thema ihres Modenschau-Debüts machte: New York. Nur eine Woche verbrachte die 43-Jährige im Big Apple und sammelte anscheinend trotzdem genügend Impressionen, um später eine ganze Kollektion daraus zu schneidern. Eine amerikanische Megametropole modisch zu thematisieren gelingt Mersinger greifbarer, als man zunächst annehmen könnte. Die Modeschöpferin hat nicht nur ein Faible für Stoff, sondern auch für Fotografie. Beides wird also kurzerhand verbunden. Ihre Fotos, die sie von ihrer USA-Reise mitbrachte, schillerten deshalb am Samstag nicht nur auf der großen Projektionsfläche über dem Theater, sondern auch an den Körpern der Models, mit dabei auch Tänzerinnen und Tänzer aus Erneste Junges Tanzgruppe "Staccato". Mersingers Mode-Pointe: Vor dem Zuschnitt der Kollektion - die Stücke reichen von abendlich elegant bis gefällig knapp, das kleine Schwarze zieht sich wie ein roter Faden durch die Kompositionen - ließ Mersinger viele Stoffe mit ihren Fotomotiven bedrucken.
Bei solch frischen Ideen darf im ersten Durchlauf dann auch gerne mal kurz das Licht ausfallen, oder ein Stück vom begleitenden Soundtrack, einer Mischung von Frank Sinatra bis Madonna, doppelt gespielt werden. Der gute Eindruck bleibt. Auch bei der zweiten Schau der Kulturnacht: Designerin Mareike Lengler zeigte im Steinwerkshof Coursage-Mode.
|