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Melle, 20.05.2008 
 
Was wiegt schwerer, eine Tonne Eisen oder Papier?
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Der eine stellt drinnen aus, der andere draußen: Der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur präsentiert in und um die Orangerie Gut Ostenwalde ein Spannungsfeld zwischen den Arbeiten mit Printmedien von Hans Jürgen Simon und Skulpturen aus Eisen von Klaus Reincke.

Der Mensch in seinen Grundhaltungen ist Thema von Klaus Reinckes Skulpturen.
Hier treffen zwei Künstler aufeinander, die von zwei völlig unterschiedlichen Materialien fasziniert sind und daraus eine Reihe einzigartiger Exponate schufen.

Als Hans Jürgen Simon, der vorher 30 Jahre lang in Stuttgart einen klassischen Malerbetrieb geleitet hatte, 1991 gerade nach Osnabrück übergesiedelt war, sei er auf „ein Faszinosum“ gestoßen, berichtete Christel Schulte in ihrer Eröffnungrede: die Remittenden von Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen und Monatsschriften. „Remittenden, das sind zurückgesandte Druckstücke, die manchmal fehlerhaften, aber zumeist gar nicht erst verkauften Exemplare. Was im Normalfall unbesehen in der grünen Tonne gelandet wäre, weckte Simons künstlerisches Interesse und seine Leidenschaft für bisweilen zentnerschwere Papiermassen. Tinkturen wie Lack, Wasserglas und Kunstharz verwendete er, um seinem Material, den Remittenden, Form und Halt – aber auch formal-ästhetischen Ausdruck zu geben. Die künstlerische Gestaltungskraft, so Christa Schulte, komme aus dem Material selbst. Simons Materialien beginnen ihr neues Leben, wenn der Künstler sie „gefächert, verschränkt und verzahmt hat“.

In der Orangerie zeigt Simon eine Werkgruppe von Objekten in Wandhängung und installativer Präsentation. Die 17 gerahmten Arbeiten verweisen in ihrer seriellen Präsentation auf eine konsequente Bezugnahme auf den Ausstellungsraum.

„Was wiegt schwerer, eine Tonne Eisen oder eine Tonne Papier?“ fragte Christel Schulte bei der Vernissage in die Runde. Schmunzelndes Schweigen unter den Gästen antwortete ihr.

„In unserer Vorstellung hat Eisen ein anderes, nämlich viel höheres Gewicht als Papier“ gab Schulte zu bedenken. Dies solle allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwer das Rohmaterial Papier in komprimierter Erscheinung tatsächlich sei. Das Spiel des Zufalls zeige sich auch im Schicksal des Materials Eisen, das der Witterung ausgesetzt sei, die die Werke Reinckes in der ersten Phase mitgestalte. Klaus Reincke kommt aus Bayern, er wurde 1942 in Bad Reichenhall geboren und absolvierte 1961 bis 1964 eine Grafikerausbildung im Amerikahaus in Westberlin. 1984 kam er nach Osnabrück und begründete die Gildewart-Galerie.

„Reinckes Thema ist der Mensch in seinen Grundhaltungen, dem Stehen, Sitzen und Liegen“ erklärte Schulte. Es gehe in den Skulpturen um die Erfindung und Gestaltung immer neuer Figurationen, die aus den künstlerischen Mitteln, dem Material und dem schöpferischen Vorgang entständen.

Die in Eisen gegossenen, groß dimensionierte Chiffren einer Spurensuche im Bereich der menschlichen Erscheinungsformen sind im Außenbereich der Orangerie ausgestellt. „Meine Figuren teilen von sich aus nichts mit. Den Gehalt findet nur derjenige, der etwas dazuzutun hat“, kommentierte Reincke.

 

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