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... schafft aus Papier fragile Skulpturen, dünn, zerfasert, die sich aufzulösen scheinen, im Luftzug davonwehen. Gräser,
Schilf, Brennnesseln, der Rindenbast des Maulbeerbaums: Sie bilden die Rohstoffe
für ihre Papierobjekte. Durch die Bearbeitung entstehen Papiere, die den
Arbeitsprozess widerspiegeln. Für diese Objekte hier wurde der Rindenbast des
Maulbeerbaums zerfasert, geklopft, gezerrt, geschöpft als Papierbogen, geformt
endlich zu Objekten, in denen die pflanzlichen Strukturen erkennbar erhalten
bleiben. "Der Fertigungsprozess," sagt Hiltrud Schäfer, "wird untrennbar Bestandteil
des fertigen Werkes, indem der Zyklus des Wachsens, des Bearbeitens und der
künstlerischen Transformation in den Objekten sichtbar gemacht wird."
Wer Hiltrud Schäfers Werkstatt besucht, den nimmt die Unzahl von Ideen und
Objekten gefangen. Da liegen Pflanzenfasern eingeweicht in einem Bottich, warten
darauf, gewalkt, geklopft, in Form gebracht zu werden. Ein Vogelgerippe,
Schilfgräser, zum Trocknen an die Wand gelehnt, Rohmaterial, vor dem Hiltrud Schäfer
begeistert steht und erklärt, was einmal daraus werden soll, lässt die unerschöpfliche Phantasie ahnen. Stillstand ist ein Wort, das sie nicht kennt. Und immer wieder:
Bezüge ihrer Objekte zu den Orten, von denen sie ihre Materialien hat, die sie dem
künstlerischen Gestaltungsprozess aussetzt. Immer auf der Suche nach Spuren,
Spuren aufzeigend, Spuren hinterlassend, den Hinweis auf das Vergängliche nicht
scheuend. "Kunst zu machen ist für mich die schönste Lebensäußerung," sagt
Hiltrud Schäfer. "Die vielen kontemplativen Momente beim Papiermachen - das
Sammeln der Pflanzen, das Schlagen des Papierbreis, das Schöpfen der Bögen -
sind die Ruhepausen in meinem sonst so turbulenten Leben. Leben heisst für mich
Bewegung. In meiner Kunst komme ich zur Ruhe."
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