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Dorothea Eimert, Leopold-Hoesch-Museum Düren
Papierkunst, was ist das?



Papierkunst ist eine Kunst, die sich mit Papier und Papierstoff artikuliert. Sie entwickelte sich nach und nach seit den frühen 1960er Jahren. Seitdem ist Papier ein aufregendes und faszinierendes Medium. Aufgrund seiner unendlich erscheinenden Variabilität in Form, Konsistenz und Ausdrucksweise steht Papier heute für viele Künstler gleichwertig neben den traditionellen Materialien wie Stein oder Holz, 
Leinwand und Farbe. Papier ist multimedial, hat haptische, optische und akustische Qualitäten. Mit Papier kann man nicht nur multidimensional gestalten oder auch Musik machen, sondern mit Papierstoff kann man auch malen.

Hiltrud Schäfer schafft Kunstwerke von taktiler Sensibilität. Lichtdurchflutet scheinen sie nahezu schwerelos im Raum zu schweben. Das Material, aus dem ihre Kunstwerke geschaffen sind, ist Papier, Papier, das die Künstlerin selbst aus Pflanzen hergestellt hat. Angeregt dazu wurde sie von den Franzosen Claudine und Francis Hunzinger während eines Workshops zur Fertigung von Papieren aus unterschiedlichsten Pflanzen im Jahr 1989. Seitdem stellt Hiltrud Schäfer ihre Papiere selbst her. Das Werkmaterial also liegt nicht vorgefertigt bereit, sondern seine Beschaffenheit, Materialität und Farbigkeit bestimmt die Künstlerin von Grund auf selbst. Die jetzige Ausstellung in der Dominikaner- kirche Osnabrück präsentiert großformatige, raumgreifende Installationen. Sie verdeutlichen in beredter Korrespondenz mit der formstarken Architektur ihre künstlerische Kraft. Hiltrud Schäfer teilt ihre Vorliebe für das Material und Medium Papier mit zeitgenössischen Künstlern vieler Länder.

Als früheste Papierkunst in Europa bezeichnet man die Gemälde mit eingeklebten Papieren von Picasso und Braque aus dem Jahr 1912. Damals war es eine revolutionäre Tat, Tapetenfetzen, gemusterte Papiere oder Wachstuch einfach ins gemalte Bild zu kleben und als abstraktes Farbfeld gelten zu lassen. Diese sogenannten „papiers colles" wurden von den Futuristen, Dadaisten, Surrealisten weiterentwickelt und fanden in den Collagen von Kurt Schwitters ihre extremste Form. In der zweiten Aufbruchphase der Kunst, in den späten 50er und beginnenden 60er Jahren, werden diese 
experimentellen Tendenzen in neue Dimensionen geführt. Der Materialreiz bewegte viele Künstler. Jean Fautrier und Jean Dubuffet beispielsweise arbeiteten mit reliefartiger Farbmasse, Alberto Burri und Antonio Täpies mit groben, zerfransten Stoff-Fetzen, Yves Klein integrierte Schwämme in seine Bilder, und Lucio Fontana schlitzte Leinwände auf. Die Decollage mit ihren vielen reliefartigen Möglichkeiten 
wurde erschlossen. Die Zero-Gruppe verfolgte die energetischen Beziehungen zwischen Licht, Bewegung und Schattenklängen. In den späten sechziger Jahren entdeckt die „Arte Povera" triviale, meist unbeachtete Materialien als selbständige Objekte. Durch Neuzuweisung in andere Zusammenhänge erfahren sie eine Wandlung in Erscheinung und Wertigkeit. Auch das industriell vorgefertigte Papier wurde nun als neues und eigenständiges Medium erforscht. 
Zu Ende der 60er Jahre werden natürliche, alltägliche Prozesse zur Kunst erhoben wie wandernde Schatten auf Papier, wachsendes Gras in Papier, schimmelndes oder verwesendes Papier: in Wasser, Luft oder Erde. Form und Aussehen des Papiers wurde auch mechanisch oder termisch beeinflußt. 
Papier wurde gebogen, geknickt, geknüllt oder geritzt, gepreßt oder zersägt oder sogar verbrannt. Diese Art mit bereits fertigem Papier zu arbeiten ist die typisch „europäische" Papierkunst:

Mit Papierkunst bezeichnet man aber auch die um 1965 in den USA „erfundene" Art, mit Papierfaserstoff Bilder zu malen, Objekte' zu formen, Reliefs zu gießen. In den USA entwickelte sich also eine in- Herstellung, Materialität und Ausdrucksweise ganz unterschiedliche Papierkunst. Hier 
erlebte zunächst das Handwerk des Papiermachens eine Renaissance durch Dard Hunter (1883-1966) und Douglass Morse Howell (geh. 1906). Die ersten Künstler, die handgeschöpfte, oft auch „mißlungene" Papiere von Howell als Malgrund verwendeten und als gleichwertig neben der Leinwand werteten, waren so berühmte Künstler wie Jackson Pollok, Willem de Kooning und Robert Motherwell. Auch in der Druckgraphik wurde mehr und mehr handgeschöpftes Papier bevorzugt; die Eigenqualität des Papiers wurde entdeckt. Das erste Lehrinstitut für Papiermacherei in den USA wurde an der Cranbrook Academy in Michigan eingerichtet. Hier lernten Künstler, Papier selbst herzustellen und mit 
Papierfaserstoff zu malen.

Eines der bedeutendsten experimentellen druckgraphischen Zentren unserer Zeit und das berühmteste Studio für die Herstellung von Kunst mit Papierstoff ist Tyler Graphics in Mount Kisco, New York. Wichtigste Künstler schufen hier, wo die technischen Voraussetzungen vorhanden sind, wo 
umfassendes Wissen und Können sowie die Freude an Innovativem das Arbeitsklima prägen, bedeutende Kunstwerke. Tyler arbeitete mit Josef Albers, Anthony Caro, Ron Davis, Richard Hamilton, David Hockney, Paul Jenkins, Ellworth Kelly Roy Lichtenstein, Robert. Motherwell, Kenneth Noland, Claes Oldenburg, Janies-Rosenquist, Alan-Shields und Frank Stella zusammen. Diese Künstler sind es auch gewesen, die die neue revolutionäre Art der Papierkunst bekannt und populär machten und ihr einen Stellenwert innerhalb der Kunst gaben. Experimentierfreudig und begeistert von den neuen Möglichkeiten im Medium Papier sind viele Künstler auf der Welt. In fast allen Ländern arbeiten 
Künstler seit den 70er Jahren mit Papierstoff. Ausstellungen, Konferenzen und Vereinigungen bringen Papierkünstler zusammen. Mitteilungsblätter und Bulletins informieren über neueste Ergebnisse der Forschung, der Technik, der Kunst.

Nach Europa kam die Papierkunst aus Faserstoff erst nach haltig 1980/81. Die Welle der  Studiogründungen, die seit den 60er Jahren in den USA zu beobachten war, hatte nun Europa erfaßt. Die für Europa wichtigste Vereinigung von Papierkünstlern ist die IAPMA (International Association of 
Hand Papermakers and Paper Artists). Sie wurde 1986 in Düren am Vorabend der Eröffnung der 1. Internationalen Biennale der Papierkunst gegründet. Heute vereinigen sich hier etwa 400 Künstler aus 38 Ländern. Hiltrud Schäfer ist Mitglied der IAPMA. Die internationalen Kontakte, die sie vor allem auf den jährlichen IAPMA-Kongressen in Barcelona, Reno/USA, Basel, Budapest oder demnächst in 
Kanada und Japan erhält, sind nicht zu unterschätzen. 
 


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una iniziativa della Associazione Culturale Chronos a ROMA
Kulturverein Chronos