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...haben die Sehgewohnheiten so verändert, dass Zeitungen, Zeitschriften, Magazine
in ihrer Optik neu überdacht und nach den Regeln der schnellen Wahrnehmung umgestaltet wurden.
Zu fast jedem Thema gibt es inzwischen ein Medium, sodass ohne Übertreibung von Informationsflut
gesprochen werden kann. Immer größer werden die Anstrengungen der Verlage, um sich in der Vielfalt
der Medien und Informationen zu profilieren. Der Reiz und die Faszination der neuen Medien hat
zu Irritationen über die Bedeutung der Printmedien geführt.
Hans Jürgen Simon kann das nur recht sein. Sein Material sind Remittenden, jene Printmedien, die
den Weg zum Leser nicht gefunden haben und folglich zurückgeschickt werden, um als Rohmaterial
dem Recyclingprozess zurückgeführt zu werden. Unter Remission versteht man in der Verlagswelt
heutzutage das Zurücksenden von beschädigten, fehlerhaften, nicht verkauften Büchern, Zeitungen,
Zeitschriften, Magazinen an die Pressegrossisten.
Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Printmedien ist das der schier unerschöpfliche Fundus, aus dem Hans
Jürgen Simon schöpfen kann.
„Arbeiten mit Printmedien" nennt Hans Jürgen Simon bescheiden seine Reliefs und bezeichnet damit
sowohl die Tätigkeit als auch das Ergebnis. Spontan und ohne langes Kalkül, jedoch in hoher Perfektion
und mit Liebe zum Detail entstehen die kraftvollen Verformungen. Verformungen im doppelten Sinne.
Er seziert die Remittenden, spürt neue Zusammenhänge, neue Material- und Farbklänge auf. Er läßt
sich leiten von der aufregenden ästhetischen Palette, die sich ihm auftut, wenn er die Printmedien von
ihrer eigentlichen Bestimmung - der Vermittlung von Information - befreit. Immer neue Kombinationen und
Verarbeitungstechniken die sich findige Marketingstrategen für Ihre Printmedien überlegt haben, um
sich im Markt zu positionieren, löst er auf. Aus dem funktionalen Massenmedium modelliert er durch
schneiden, kleben, schuppen, sägen, falten, rollen ein ganz eigenständiges Werk. Nichts erinnert mehr
an den Ursprung, kein gelerntes Zeichen, keine bekannte Bildsprache schlägt die Brücke zu Erlebtem,
Gespeichertem.
Statt dessen Buchstabenfetzen, Bildfragmente, Kombinationen von beidem, Überlagerungen,
Vertiefungen, Verwerfungen, nichts, was sich dem Betrachter sofort und für die schnelle Rezeption
erschließt. Unter den Händen von Hans Jürgen Simon entsteht Ungewohntes, Rätselhaftes, ganz und gar
Singuläres, dass sich unbeeinflußt von kontextuellem Ballast zweckfrei behauptet. Der Betrachter sieht, was
er sieht, frei von bedeutungsschwangeren Vorgaben.
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