close

Prof. Dr. Martin Damus
Zu den Porträts von Monika Witte 



Das Bild, das wir von Freundinnen, Freunden oder guten Bekannten vor uns haben, wenn wir an sie denken, setzt sich aus einer Vielzahl von Bildern der betreffenden Personen, aufgenommen in einer Vielzahl von Augenblicken und Situationen zusammen. Ein gemaltes Porträt, zu dem die oder der Porträtierte Modell gesessen hat oder das aus der Erinnerung entstanden ist, zeigt das – oder ein – Bild, das sich die Künstlerin oder der Künstler von der porträtierten Person gemacht, das sich bei ihr oder ihm im Verlauf der Zeit herausgebildet hat. Eine Fotografie hingegen hält ein, in einem einzigen Augenblick aufgenommenes Bild des oder der Fotografierten fest, also einen einzigen Gesichtsausdruck.

In Monika Wittes gemalten, überlebensgroßen Porträts von Freundinnen, Freunden und guten Bekannten überlagern sich das Bild, das die Künstlerin sich von den Porträtierten gemacht hat und das fotografische Augenblicksbild. So ausgeprägt das Malerische der Porträts ist, so offensichtlich bleibt, dass Fotografien als Vorlage für die Porträts gedient haben, insofern sowohl der fotografische Blick der fotografierenden Künstlerin, als auch der in einer Momentaufnahme erfasste, auf den Augenblick des Fotografiertwerdens ausgerichtete Gesichtsausdruck der Porträtierten zur Geltung kommt. Die Malerei, in die das erinnerte Bild eingeht, hebt die Augenblicklichkeit des fotografischen Vorbildes nicht einfach auf, geht vielmehr ein eigentümliches Spannungsverhältnis mit dem Augenblicksbild ein.

Das Spannungsverhältnis wird noch zugespitzt durch den Kontrast zwischen der detailliert malerischen Durchgestaltung des Gesichts und der vereinfachenden und verallgemeinernden Gestaltung der Kleidung und insbesondere durch den monochromen, raumlosen, immateriell wirkenden Malgrund. Einen Hintergrund gibt es nicht, folglich auch nicht die Möglichkeit einer Schattenbildung. So sind die Porträts buchstäblich ortlos. Damit werden die Gesichter auch für die, denen sie nicht weniger vertraut sind als der Malerin, unabhängig von den porträtierten Personen und zu gemalten Porträts als solchen, zu Malerei. 
 


stampare questa pagina 
Seite ausdrucken
una iniziativa della Associazione Culturale Chronos a ROMA
Kulturverein Chronos